Evangelische Religion am GaW

1. Gute Gründe für den Religionsunterricht

Wer nichts vom Christentum weiß, z.B. von Jesu Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ noch nichts gehört hat, wer die Zehn Gebote und das Gebot der Nächstenliebe nicht kennt, wer mit dem Schöpfungsglauben der Bibel und der Hoffnung auf das Reich Gottes nichts anfangen kann, kann unsere Kultur und Gesellschaft nicht umfassend verstehen. Im Religionsunterricht lernen Schülerinnen und Schüler den christlich geprägten Hintergrund unserer Kultur und unserer sozialen Wertvorstellungen kennen. Deshalb ist der Religionsunterricht auch das einzige durch die Artikel 4 und 7 des Grundgesetzes abgesicherte Lehrfach: Die Religionsfreiheit schließt eine Pflicht ein, sich im Bereich der Religionen auszukennen. Wer Mitglied einer christlichen Kirche ist, besucht automatisch den Religionsunterricht an der Schule, aus dem man sich nur aus Glaubens- und Gewissensgründen abmelden kann. Religionsunterricht ist kein Entgegenkommen an die Kirche, er will nicht Kirche in der Schule sein, sondern es geht um die Fragen von Kindern und Jugendlichen. In einer Welt, die sich rasch verändert und den Schülerinnen und Schülern nicht immer freundlich begegnet, sollen sie Zuversicht und Orientierung für ihr Leben finden.

Antwort auf Lebensfragen

Hat die Welt einen Sinn? Gibt es Gott? Woher komme ich, wohin führt das alles? Was ist der Sinn meines Lebens? Was soll ich tun? Es gehört zum Menschsein, solche Fragen zu haben. Der Religionsunterricht ist das Schulfach, in dem Raum für solche Fragen ist. Dabei begegnen die Jugendlichen Lehrerinnen und Lehrern, die sich ihren Fragen stellen und aus christlicher Orientierung dazu Stellung nehmen. Damit wollen sie den Kindern und Jugendlichen bei der Suche nach dem persönlichen Weg helfen, ohne zu indoktrinieren. 

Kenntnisse über andere Religionen und Kulturen

Ohne Kenntnisse ihrer religiösen Wurzeln bleiben fremde Kulturen unverständlich. Unwissenheit und Gleichgültigkeit erschweren die Verständigung zwischen den Religionen, Kulturen und Konfessionen. Ein türkischer Schüler sagte einmal treffend zu einer Schülergruppe: „Ihr wisst ja nicht einmal, was ihr als Christen glaubt, wie sollen wir uns da sinnvoll mit euch unterhalten!“ Der Religionsunterricht kann wesentlich dazu beitragen, dass sich Jugendliche unterschiedlicher Herkunft mit Wissen, Interesse, Respekt und Toleranz begegnen.

Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft fördern

In unserer Leistungs- und Erfolgsgesellschaft stehen arme und arbeitlose, kranke und behinderte Menschen oft am Rand. Von Gott her hat jeder Mensch eine unverlierbare Würde. Jeder ist einzigartig und verdient Achtung und Anerkennung. Der Religionsunterricht leitet dazu an, das Leid und die Not anderer nicht zu übersehen, Unrecht und Unmenschlichkeit wahrzunehmen und über ihre Ursachen nachzudenken.

Dürfen wir alles, was wir können?

Alles scheint heute möglich zu sein: künstliches Leben, Veränderungen im menschlichen Erbgut, gentechnisch erzeugte Lebensmittel, Plünderung der Wälder und der Ozeane, unübersehbar viele Medienangebote, etc. Der Religionsunterricht will die Frage nach der Verantwortung stellen. Dabei ermutigt er Kinder und Jugendliche z.B. bei Fragen der Naturzerstörung, der Massentierhaltung und der Not in der so genannten Dritten Welt, in ihrem Leben für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

Nicht alles glauben

Schwarze Magie, Schamanisches Heilen, Seelenwanderung und Astrologie, fernöstliche Weisheiten, Sekten und New Age – auf dem Markt der Religionen wird heute vieles geboten. Wer sich darin zurechtfinden will, braucht ein Mindestmaß an Kenntnissen, muss sich mit religiösen Fragen und Kriterien beschäftigt haben, um unterscheiden zu können. Religionsunterricht hat dabei eine aufklärende Funktion, denn er hilft, religiöse Vorstellungen bewusst zu machen und begründet zu beurteilen.

Der Religionsunterricht an unserer Schule will also Orientierung geben, erkennbar positioniert, dabei aber offen und tolerant. Er will Wegweiser sein, die Erfahrungen des Glaubens präsentieren, sie verstehbar und lebendig machen. Trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzung im evangelischen und katholischen Unterricht bei einzelnen Themenbereichen (etwa der Kirchengeschichte oder der Lehre vom Aufbau der Kirche und ihren Ämtern) überwiegen die Gemeinsamkeiten.

Zu diesen gemeinsamen Inhalten des Religionsunterrichts gehören unter anderem:

  • Zentrale Inhalte der Bibel und ihre Bedeutung für den christlichen Glauben
  • Die Entstehung des christlichen Glaubens und der christlichen Kirche(n)
  • Besondere Stationen der Entwicklungsgeschichte der Kirche(n)
  • Die Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel des Lebens
  • Ethische und moralische Grundfragen
  • Grundzüge anderer Religionen, insbesondere des Judentums und des Islams
  • Fehlformen des Glaubens in Gestalt von Sekten, Aberglauben, Okkultismus usw.

2. Schulinterner Lehrplan der Sekundarstufe I

Jahrgang 5

  • Inhaltsfeld 1: Entwicklung einer eigenen religiösen Identität
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Gottesvorstellungen im Lebenslauf
  • Inhaltsfeld 6: Religiöse Phänomene in Alltag und Kultur
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Ausdrucksformen von Religion im Lebens- und Jahreslauf
  • Inhaltsfeld 5: Im Dialog mit Religionen und Weltanschauungen
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Der Glaube an Gott in den abrahamitischen Religionen und seine Konsequenzen für den Alltag
  • Inhaltsfeld 3: Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Verantwortung für die Welt als Gottes Schöpfung

Jahrgang 6

  • Inhaltsfeld 2: Christlicher Glaube als Lebensorientierung
    Inhaltlicher Schwerpunkt Lebensangebote von Jesus von Nazareth
  • Inhaltsfeld 3: Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Zukunftsgewissheit und Gegenwartskritik: Propheten damals und heute
  • Inhaltsfeld 4: Kirche und andere Formen religiöser Gemeinschaft
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Kirche in konfessioneller Vielfalt

Jahrgang 7

  • Inhaltsfeld 6: Religiöse Phänomene in Kultur, Gesellschaft und Staat
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Religiöse Prägungen in Kultur, Gesellschaft und Staat
  • Inhaltsfeld 3: Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Verantwortung für eine andere Gerechtigkeit in der Einen Welt
  • Inhaltsfeld 5: Im Dialog mit Religionen und Weltanschauungen
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Weltbilder und Lebensregeln in Religionen und Weltanschauungen

Jahrgang 8

  • Inhaltsfeld 1: Entwicklung einer eigenen religiösen Identität
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Reformatorische Grundeinsichten als Grundlagen der Lebensgestaltung
  • Inhaltsfeld 3: Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Diakonie – Einsatz für die Würde von Menschen
  • Inhaltsfeld 2: Christlicher Glaube als Lebensorientierung
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes

Jahrgang 9

  • Inhaltsfeld 5: Im Dialog mit Religionen und Weltanschauungen
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Auseinandersetzung mit Gott zwischen Bekenntnis, Indifferenz und Bestreitung
  • Inhaltsfeld 2: Christlicher Glaube als Lebensorientierung
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Der Hoffnungshorizont von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi
  • Inhaltsfeld 4: Kirche und andere Formen religiöser Gemeinschaft
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Kirche und religiöse Gemeinschaften im Wandel
  • Inhaltsfeld 1: Entwicklung einer eigenen religiösen Identität
    Inhaltlicher Schwerpunkt: Bilder von Männern und Frauen als Identifikationsangebote

3. Schulinterner Lehrplan der Sekundarstufe II

Einführungsphase

Halbjahresthema im 1. Halbjahr: Auf der Suche nach Identität und gelingendem Leben

  • Unterrichtsvorhaben I: Wer bin ich? Antworten der biblisch-theologischen Anthropologie als Angebote
  • Unterrichtsvorhaben II: Schöpfungsverantwortung

Halbjahresthema im 2. Halbjahr: Zukunftsperspektiven und Leben in Gemeinschaft

  • Unterrichtvorhaben III: Wie sehe ich meine/unsere Zukunft? Christliche und außerchristliche Perspektiven
  • Unterrichtsvorhaben IV: Wer teilt meine Hoffnung? Was gibt mir Mut und was trägt mich? Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden

Qualifikationsphase Q1 - Grundkurs

Halbjahresthema im 1. Halbjahr: Als Mensch Orientierung suchen – Die Frage nach Gott zwischen christlicher Theologie und Individualisierung

  • Unterrichtsvorhaben I: „Woran kann ich glauben?“ Christliche Antworten auf die Gottesfrage
  • Unterrichtsvorhaben II: „Was lässt mich zweifeln?“ Christliche Antworten auf die Gottes- und Theodizeefrage auf dem Prüfstand

Halbjahresthema im 2. Halbjahr: Die Botschaft Jesu Christi als Angebot (Antwort)

  • Unterrichtsvorhaben III: Als Mensch Orientierung suchen – Die Botschaft Jesu Christi vom Zuspruch und Anspruch als Angebot
  • Unterrichtsvorhaben IV: Welche gesellschaftlichen Konsequenzen hat mein Glaube? Impulse aus der Reich-Gottes-Botschaft für das Individuum und die Institutionen

Qualifikationsphase Q2 – Grundkurs

Halbjahresthema im 1. Halbjahr: Auf der Suche nach Standhaftigkeit im verantwortlichen Handeln

  • Unterrichtsvorhaben I: Welchen Beitrag kann Kirche zum gesellschaftlichen Leben beitragen? Kirche und Staat in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
  • Unterrichtsvorhaben II: Was kann ich tun, um nachhaltig Gerechtigkeit und Frieden zu realisieren?

Halbjahresthema im 2. Halbjahr: Auf der Suche nach Halt im Angesicht von Sterblichkeit und Zukunftsangst

  • Unterrichtsvorhaben III: Welche Hoffnung kann ich/können wir angesichts des Todes entwickeln? Biblische und theologische Antworten als Hoffnungsangebot.
  • Unterrichtsvorhaben IV: Muss ich Angst vor der Zukunft haben? Das christliche Welt- und Geschichtsverständnis als Hoffnungsangebot.