Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Freizeit – Freie Zeit?!“ beschäftigte sich der Praktsiche Philosophie-Kurs des Jahrgangs 5 mit den Lebensbedingungen der Kinder in ärmeren Ländern. Die Schülerinnen und Schüler mussten u.a. erfahren, dass es in Bangladesch Kinder wie die elfjährige Rokeya gibt, die den ganzen Tag lang im Steinbruch oder der Näherei arbeiten müssen, um ihren Teil zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. In einer anderen Unterrichtsstunde erlebten sie hautnah, was es heißt, Kinderarbeit zu verrichten und dafür mehr schlecht als recht entlohnt zu werden. So mussten sie in 20 Minuten so viele Papiertüten herstellen wie möglich, um anschließend zu erfahren, dass sie alle gemeinsam mit ihrer Arbeit − hochgerechnet auf einen Arbeitstag von acht Stunden − gerade einmal genug Geld verdient hätten, um damit einen halb Sack Reis zu erwerben.
„Da muss man doch was dagegen tun!“ – so die einheitliche Meinung der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer. Also recherchierten die Schülerinnen und Schüler nach Organisationen, die sich für die Rechte von Kindern einsetzen und allgemein Kindern helfen, die in Not sind, und stellten sich die Ergebnisse der Recherche in kurzen Referaten gegenseitig vor. Dabei erfuhren sie einiges über das Kinderhilfswerk UNICEF, Plan International, Fruchtalarm und eben auch über Opportunity International, eine Organisation, zu deren Zielen es gehört, die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern in Accra im westafrikanischen Ghana deutlich zu verbessern.
Das Fahrrad spielt deshalb eine besondere Rolle, weil es mit seiner Besitzerin bereits über 7000 Kilometer zurückgelegt hat – und dabei stets einen guten Zweck erfüllt. Um davon hautnah zu berichten, war Frau Dr. Marta Binder von Opportunity International am Donnerstag, den 11.05.2017 von Frau Heidemann in die Praktische Philosophie-Stunde des Jahrgangs 5 eingeladen worden.
So berichtete sie zum Beispiel von einer Schule, die über Monate ohne Tafelkreide auskommen musste. Eine Schule ohne Kreide ist auch in Zeiten der Digitalisierung kaum denkbar; das weiß jeder Schüler und jede Schülerin. Aber auch andere notwendige Einrichtungen und Materialien fehlten in vielen Schulen, die Frau Binder in Ghana besuchen konnte. Um diesem Notstand abzuhelfen und neue, private Schulen zu gründen oder bestehende zu erweitern und mit Schulküchen, sanitären Anlagen und Materialien auszurüsten, braucht es neben viel Tatkraft natürlich auch Geld. Dieses stammt aus sogenannten „Mikrokrediten“ in Höhe von jeweils wenigen tausend Euro – und hier kommt das Fahrrad von Marta Binder ins Spiel.
Beim Sponsoren-Radeln quer und längs durch Deutschland hat die ungemein sportliche Frau Binder in den letzten vier Jahren pro Jahr Strecken zwischen knapp 1000 und fast 3000 Kilometern zurückgelegt und konnte dadurch beachtliche Summen einsammeln. Diese kommen den Schulprojekten in Ghana zugute. Bei 2500 km im Jahr, wie sie z.B. für 2017 geplant sind, kommt für einen Sponsor und damit für die Schülerinnen und Schüler in Accra schnell einiges zusammen.
Für die Schülerinnen und Schüler am Waldhof stellten die lebendigen Erzählungen aus Ghana dagegen einige gewohnten Vorstellungen auf den Kopf. „Wie wäre es, wenn ihr nicht zur Schule müsstet, sondern nur unter bestimmten Umständen zur Schule dürftet, weil jeder in eurem Alter selbstverständlich zum Familieneinkommen beitragen müsste?“ Auch eine Schule für 450 Kinder ohne Toilette oder ohne einen Raum für die Küche war schwer vorstellbar, ebenso, dass 70 Kinder von einem Lehrer unterrichtet werden müssen – notfalls auch ohne Kreide. Andere Themen, wie der Umgang mit dem täglichen Müll, klangen wiederum sehr vertraut.
Am Ende konnten sich die Schülerinnen und Schüler des Jahrgang 5 gut vorstellen, wie tatkräftige Hilfe für Kinder aussehen kann, die gern zur Schule dürfen wollen.
Katja Heidemann und Sabine Hönicke























